Die Berufsweltmeisterschaft "WorldSkills 2015"

Vierter und letzter Wettbewerbstag bei den WorldSkills 2017 in Abu Dhabi. Rund 1.300 Teilnehmer aus 59 Ländern in 51 Disziplinen geben alles und kämpfen um Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. Dazu gehört auch der deutsche Zimmerergeselle Kevin Hofacker (22) aus Steinau in Hessen. Der Europameister 2016 hat noch 25 Minuten bis zum endgültigen Abpfiff und um das vierte und letzte Modul fertig zu machen: einen Stehtisch! Das wird knapp und Hofacker macht es richtig spannend, ob er wirklich fertig wird. Seine zahlreichen Fans, die sich an seinem Arbeitsplatz zum Beobachten versammelt haben, können vor Aufregung kaum still stehen. Dazu gehören u.a. seine Eltern, sein Chef Alexander Stein, seine beiden Trainer Sascha Brück und Michael Rieger, Mannschaftskollege Sean Klesen. Auch der Teamleiter der Zimmerer-Nationalmannschaft, Roland Bernardi, läuft unruhig auf und ab. Das Mantra von allen: „Immer an die EM denken. Zehn Minuten vorher stand auch kein Modell. Kevin schafft es!“. Ja, Kevin schafft es. Wenige Minuten vor dem Abpfiff steht der Tisch und alle sind erleichtert. Es gibt einen riesen Applaus für einen Wettbewerb, bei dem Kevin in jeder Minute hart kämpfte, aber auch gespürt hat, dass zahlreiche Kollegen aus Asien, Australien und Europa ebenso stark sind.

„Keine Frage, ich hätte mir eine bessere Platzierung gewünscht!"

Und am Ende liegt Korea (wie immer) ganz vorne und holt Gold. Die Silbermedaille wurde wegen Punktgleichheit gleich vier Mal vergeben: sie ging an Australien, Frankreich, Schweiz und Südtirol. Eine Bronzemedaille wurde nicht vergeben. Kevin Hofacker belegt hinter Österreich den 7. Platz beim größten Berufswettbewerb aller Zeiten. Für seine Bestleistungen bekommt er eine Medallion for Excellence.
„Keine Frage, ich hätte mir eine bessere Platzierung gewünscht. Ich bin in Abu Dhabi angetreten, um zu gewinnen. Dafür habe ich mich intensiv vorbereitet, dafür habe ich hier vier Tage alles gegeben“, so Kevin Hofacker. „Aber andere Nationen waren in diesem Wettbewerb besser. Und ich habe leider einen Fehler gemacht, der mich entscheidende Punkte gekostet hat.“

Aufgabe: vier Holzbaumodule waren auszuführen

Die Aufgabe der Zimmerer während des viertägigen Wettbewerbs mit 22 Zeitstunden bestand aus vier Modulen. Das erste Modul war ein Pavillon mit trapezförmigem Grundriss, das zweite ein symmetrisches Satteldach mit geneigtem First, senkrechten Giebelsparren und verkanteten Hölzern. Im Pavillon war eine Sitzbank (Modul 3) mit Bodenbelag mit drei verschiedenen Höhen bzw. Niveaus zu erstellen. Diese Sitzbank wurde aus Vollholz mit einer Stärke von vier Zentimetern hergestellt und musste auf Gehrung geschnitten werden. Abschließend musste ein Stehtisch als Modul 4 gebaut werden. Er wurde nach der Mandala-Bauweise hergestellt und bestand aus drei verschiedenen Streben mit jeweils unterschiedlicher Neigung. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe bestand in der hohen Genauigkeit bei den Schnitten sowie den extrem großen Querschnitten bei den Wänden und der Bodenplatte im Modul 1. Die knapp zur Verfügung stehende Zeit verschärfte die Schwierigkeit. 

„Ja, die Zeit war hier mein ärgster Feind!“, so Kevin.

Der entscheidende Fehler passierte Hofacker im Modul 2. „Zwei Hölzer waren zu lang und mussten durch zwei Nachschnitte gerettet werden“, so Roland Bernardi. Das kostete fünf wertvolle Punkte und den Platz auf dem Podest. Und warum hat es Kevin beim Tisch so spannend gemacht? Ein Fehler in der Zeichnung kostete Zeit. Dann wurde es extrem knapp für eine gute Ausarbeitung und ein perfektes Zusammenbauen. Der Tisch stand, aber am Ende nicht so perfekt, wie es mit etwas mehr Zeit möglich gewesen wäre.

„Ja, die Zeit war hier mein ärgster Feind!“, so Kevin. Und die beiden vor Ort anwesenden Trainer werden die künftigen Trainings an diesem Punkt optimieren.

Enttäuschung war dem deutschen Zimmerer-Team anzumerken

Bei der Siegerehrung war die Enttäuschung dem deutschen Zimmerer-Team anzumerken. Dieses Jahr gab es nicht das erhoffte „arabische Herbstmärchen“. Gerne hätte das Team an den Erfolg von vor zwei Jahren mit der Goldmedaille für Simon Rehm angeknüpft. „Ich bin stolz auf unseren Kevin. Er ist ein Champion. Er hat sich vier Tage ehrgeizig und kämpferisch der Mega-Herausforderung gestellt, sich mit Kollegen aus aller Welt zu messen, die auch wissen, wie es geht“, sagt Roland Bernardi, der in Abu Dhabi als Experte Mitglied der internationalen Jury war.

Der 7. beste Zimmerer der Welt will trotzdem zurück in der Heimat feiern. „Ich hatte nichtsdestotrotz in Abu Dhabi eine großartige Zeit mit einzigartigen Eindrücken und ich möchte nichts missen, was ich in den letzten drei Jahren mit der Zimmerer-Nationalmannschaft erlebt habe. Es war super!“, so der Zimmerer-Europameister aus dem Jahr 2016. Hofacker scheidet mit der WM als aktives Mitglied aus der Zimmerer-Nationalmannschaft aus. Jeder darf nur einmal an einer EM und WM teilnehmen.

„Wir sind stolz auf unseren Champion!"

Peter Aicher, Vorsitzender von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, gratulierte der Zimmerer-Nationalmannschaft zu ihrer Leistung. „Wir sind stolz auf unseren Champion, der die Nationalmannschaft und den deutschen Holzbau sehr würdig und immer mit einem Lächeln vertreten hat.“

Die Zimmerer-Nationalmannschaft wird im zehnten Jahr von den Holzbau Deutschland Leistungspartnern unterstützt. „Kevin hat im Wettbewerb starke Nerven und Leistungen gezeigt. Das gesamte Team war mit Begeisterung vor Ort bzw. hat aus der Ferne mitgefiebert. Das ist Spitze! Diese Teamleistung wissen wir zu würdigen. Nicht aufgeben, nicht nachlassen, denn nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb“, so Matthias Krauss, Sprecher der Industrie im Beirat der Leistungspartner von Holzbau Deutschland und Vorstandsvorsitzender der Mafell AG.

WorldSkills 2017

Rund 1.300 Teilnehmer aus 59 Ländern haben vom 14. bis 19. Oktober 2017 in Abu Dhabi bei der WM der Berufe in 51 verschiedenen Wettbewerbskategorien um Medaillen gekämpft. Präzision und Genauigkeit sowie Nervenstärke und Konzentration entschieden über Gold, Silber und Bronze. Rund 150.000 Besucher und Besucherinnen haben an den vier Wettbewerbstagen den jungen Wettkämpfern über die Schulter geschaut.